Vor 70 Jahren wurde Chemnitz durch Bomben zerstört

Glaubensgeschwister und Gäste der Gemeinde Chemnitz versammelten sich am Vorabend des Gottesdienstes für Entschlafene zu einer Andacht unter dem Motto: "Wie liegt die Stadt so wüst..."

Anlass war der Jahrestag der Bombardierung unserer Stadt, der sich am 5. März 2015 zum siebzigsten Mal jährte. An einem einzigen Tag kurz vor Ende des 2. Weltkrieges wurden über 2.100 Menschen getötet und 80 Prozent der Innenstadt zerstört.

Nach einleitenden Worten und Gebet durch den Vorsteher trugen Sänger und Solisten des Jugendchores Lieder vor, die das unfassbare Geschehen jenes Tages lebendig werden ließen, aber auch die Güte Gottes nahebrachten.

In einem beeindruckenden Video berichteten Glaubensgeschwister unserer Gemeinde, wie sie damals als jugendliche Zeitzeugen das Inferno jenes Tages erlebten: unerträgliche Anblicke, Angst und Entsetzen, aber gleichzeitig Dankbarkeit für das eigene Überleben und das der Angehörigen.

Eine Lesung über die Trauermotette des Kreuzkantors Rudolf Mauersberger, die an Texte aus den Klageliedern Jeremias angelehnt ist, stellte die Verbindung zum Thema der Andacht her.

Durch die Vorträge wurden viele Empfindungen und Gedanken geweckt. Wie können wir heute mit diesen Ereignissen umgehen?

  • Wir gedenken der Opfer von damals, aber auch aller jener, die in der Gegenwart von den unzähligen Konflikten und Kriegen auf dieser Erde betroffen sind.
  • Wir streben Vergangenheitsbewältigung an und suchen Versöhnung.
  • Wir danken unserem himmlischen Vater, dass wir in unserem Land über so einen langen Zeitraum Frieden haben durften und beten für den Frieden in der Welt.

Die Andacht stellte gleichzeitig eine Brücke zu dem am Folgetag stattfindenden Gottesdienst für Entschlafene her. Wir wollen der Seelen liebevoll gedenken und für sie beten, dass sie an der durch das Opfer Christi erwirkten Erlösung teilhaben können.

Als sichtbares Zeichen hierfür zündeten die Teilnehmer kleine Teelichter an einer großen Kerze an und reihten diese vor dem Altar auf.

Der Vorsteher verabschiedete die Teilnehmer mit abschließenden Worten und Gebet. Die Bewegung in den Herzen beim Verlassen des Gotteshauses war spürbar.

Text: E.M./ Fotos: St.B.