Lichtelfahrt ins winterliche Erzgebirge am Dienstag, dem 11. Dezember

"Oh, es riecht gut... o, es riecht fein...!" Diesmal nicht nach Plätzchen, sondern nach Suppen, Entenbraten und Weihrauchkerzen.

 

 

Pünktlich um 12:30 Uhr starteten wir mit dem Bus von Döhler-Reisen ab Chemnitz. Es ging über Stollberg, Zwönitz, Crottendorf nach Neudorf im Erzgebirge. Bereits auf halber Strecke wurde aus dem Regen Schnee - es war einfach richtiger Winter. Trotz teilweiser glatter Straßenverhältnisse (die ersten Autos waren bereits im Straßengraben gelandet) kamen wir pünktlich in Neudorf an. Dort lagen locker 20 cm Schnee.

Zuerst stand der Besuch des Suppenmuseums auf dem Programm. Eine Mitarbeiterin führte uns zunächst in den Vortragsraum, um die Entstehung der Sammlung und den geschichtlichen Werdegang der Küche zu erläutern: „Neudorf ist im oberen Erzgebirge weit und breit als Suppenland bekannt. Grund genug für die Suppenländer, der edlen Löffelspeise ein eigenes Museum zu widmen. In unseren liebevoll gestalteten Räumen sehen Sie Gegenstände des alltäglichen Bedarfs, die sich über Jahrzehnte zu wertvollen Ausstellungsstücken profilierten. Das Motto des Museums im ehemaligen Rathaus in Neudorf lautet: "Von der Sage bis zur Gegenwart". Unter anderem zeigen vier Küchen im Einrichtungsstil der Jahre 1910, 1930, 1960 und 1970, wie hier zu unterschiedlichen Zeiten gelebt, gewohnt, gekocht und gearbeitet wurde. Wir zeigen weit über 10.000 Ausstellungsstücke und allein in der "Löffellei" sind u.a. mit Eislöffeln, Löffelspindel usw. über 1.000 Stücke ausgestellt. Reichliche 3000 Exponate in insgesamt sieben Ausstellungsräumen erzählen gelebte Geschichte und Geschichten. "Zig" Töpfe, Teller, Terrinen und Pfannen dokumentieren die Geschichte der einfachen Kochkunst in den erzgebirgischen Dörfern. Das herbe Klima in den Bergen und die oft finanziellen Nöte der Erzgebirgler prägten den Alltag der Menschen. Unterschiedliche Suppen waren oft die einzig erschwingliche Alltagskost. Vielleicht ist ja auch Ihre nächste Suppenmahlzeit dabei oder es haben sich kurzfristig Gäste angemeldet: Fünf sind geladen, Zehn sind gekommen, gieß Wasser zur Suppe, heiß' alle willkommen!“

Noch schnell einen Kaffee getrunken, dann ging es über die Straße "Zum Karzl". "Weihrichkarzle gruß un klaa“ - in der Schauwerkstatt ist „Schwarzarbeit“ angesagt. Hier kann man nach Voranmeldung eigene „Weihrichkarzle“ herstellen. Die Arbeitsschritte erinnern ans Plätzchenbacken. Alle Zutaten werden zu einem ausrollbaren Teig gemischt, der zuvor mit einer eigenen speziellen Duftnote verfeinert werden kann. Bevor wir in die Karzl (Räucherkerzen) Herstellung eingeführt wurden, haben wir erst einmal das altbekannte Steiger Lied gesungen: "Glück auf der Steiger kommt...". Zwei Strophen kriegten wir hin. Viel Wissenswertes rund ums "Weihrichkarzl" wurde uns bei einem Schauvortrag vermittelt. Hier waren wir für eine Stunde zu Gast bei Großvaters „Karzlherstellung“ und wurden  in die lange Tradition der Weihrichkarzl-Herstellung einweiht. Neben historischen Informationen und Wissenswertem rund um das Weihrichkarzl lernten wir die wesentlichen Inhaltsstoffe kennen und erlebten, wie zur damaligen Zeit Weihrichkarzle per Hand geknetet und geformt wurden. Die natürlichen Duftstoffe kann man riechen und fühlen. Mit viel Humor war dieser Vortrag übers Karzl "gewürzt". Mancher ging noch schnell ins Ladengeschäft, um das eine und andere Karzl oder einen Räucherofen zu erwerben.

Nun ging es in den Kaiserhof zum Essen. Wie immer war alles vorbestellt, sodass, nachdem jeder seine Getränke hatte, die ersten Vorspeisen serviert wurden. Gut gespeist hieß es gegen 18:30 Uhr die Heimfahrt antreten. Ursprünglich war geplant, über einige Dörfer noch die weihnachtliche Stimmung zu erleben. Es wurde jedoch geraten über die Talstraße von Neudorf und Cranzahl nach Frohnau zu fahren. Die Wetterverhältnisse hatten bereits für Straßensperrungen gesorgt.

Wohlbehalten und mit vielen schönen Eindrücken kamen wir 19:30 Uhr in Chemnitz an. Ein schöner Nachmittag ging zu Ende und im Jahr 2019 wird es wieder eine Lichtelfahrt geben? Sicher !