Möglich mit Gottes Hilfe: "... dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen..."
Nach dem Votum und einleitenden Worten durch Pfarrer Stephan Tischendorf (ev.-luth.) und dem vom Chor der St.Petri-Schloßkirchgemeinde unter der Leitung von KMD Siegfried Petri vorgetragenen "Dona Nobis Pacem" von J. M. Michel las Gemeindereferentin Annette Kanzler-Saberniak (röm.-kath.) den Psalm 85. Er beinaltet das zentrale Thema des Tages, die Bitte um Frieden. Diese Hoffnung wird poetisch in den Worten "...wo Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen,..." ausgedrückt.
Pfarrerin Anne Straßberger (ev.-luth.) erläuterte die Bedeutung, die Möglichkeiten und Grenzen von Restorative Justice. Dabei handelt es sich um einen strafrechtlichen Ansatz, der Dialog, Heilung und Verantwortung in den Fokus stellt, um durch Straftaten entstandenes Leid durch Wiedergutmachung zwischen Tätern, Opfern und Gesellschaft zu beheben.
Der Raum der Wahrheit - Eine Darstellung restaurativer Gerechtigkeit
In der Predigt ließen Anne Straßburger, Stephan Tischendorf und Priester Peter Stettinius (NAK) durch ein moderiertes Rollenspiel der Begebenheit des Aufeinandertreffens von Jakob und Esau die Gemeinde in die Gedankenwelt der beiden Brüder eintauchen: Die Zuhörer erlebten ihre Gedanken, Angst, Verletzung, Schuld- und Opfer-Gefühle und den sich entwickelnden ehrlichen Wunsch zur Versöhnung, der zum Schluss auch gelingt. Gefühle, die wohl allen Menschen nicht fremd sind, die zum Nachdenken anregen und Impulse geben. Unterm Strich befindet sich jeder einmal in diesem Spannungsfeld, ist selbst Opfer oder Täter. Es braucht Mut, sich Verantwortungen zu stellen, aktiv die Wahrheit zu suchen und Heilung anzustreben, die nur durch Versöhnung gelingt.
Das Nagelkreuz kommt in die Justizvollzugsanstalt
Mit dem Friedensgottesdienst jährte sich die Gründung des Chemnitzer Nagelkreuzzentrums zum ersten Mal. So fiel die Entscheidung leicht, an diesem Tag das Nagelkreuz erneut auf Wanderschaft gehen zu lassen. Stephan Tischendorf und Peter Stettinius überreichten es an Anne Straßberger, deren Arbeitsbereich die Strafgefangenenseelsorge in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz ist. Dort und in der Christuskirchgemeinde wird das Nagelkreuz in den nächsten Wochen seinen Platz haben und zu Gespräch und Reflexion über Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung anregen.
Blick in den Spiegel und die Bitte: "Vater vergib"
Das Fürbittengebet wurde von Helmut Mädler (ev.-meth.), Pastor Bernard Millard (EFG) und Annette Kanzler-Saberniak vorgetragen. Es beinhaltete auch das Versöhnungsgebet von Coventry und brachte die Bitten um die Schaffung von Frieden und Versöhnung zum Ausdruck. Nach dem vom Chor vorgetragenen "Vaterunser" verließ die Gemeinde mit Kerzen die Kirche und zog zum Chemnitzer Neumarkt, um den Tag gemeinsam mit dem gesungenen Kanon "Dona Nobis Pacem" zu beenden.
Neuapostolische Kirche